Der Pollen von Apfelbäumen wird fast ausschließlich von Insekten übertragen – vor allem von Bienen.

Wie entstehen neue Apfelsorten?

Bei der Vorstellung unserer Äpfel und Birnen lest ihr oft: „eine Kreuzung aus“, „als Zufallssämling entdeckt“ oder „vermutlich vor 1800 auf Rügen entstanden“. Dann habt ihr vielleicht gelesen, dass der Pollen des Kantapfels wegen seiner langen Blütezeit viele andere Apfelsorten bestäuben kann. Aber am Cox-Orange-Apfelbaum hängt dann weiterhin ein Cox-Orange, obwohl er vom Danziger Kantapfel bestäubt worden ist. Wie funktioniert das alles?

 

Was geschieht bei der Befruchtung?

Die Frucht (der Apfel) stammt genetisch und geweblich fast ausschließlich vom „Mutterbaum“. Der Pollenspender liefert nur den männlichen Anteil für die Samen.

 

Was passiert bei der Bestäubung?
  • Der empfangende Baum (Mutterbaum) bildet die Blüte, also Kelch, Fruchtknoten, Fruchtfleisch usw.
  • Der Pollenspender (Vaterbaum) liefert nur den Pollen (männliche Keimzellen).
  • Der Pollen befruchtet die Eizelle im Fruchtknoten des Mutterbaums.
  • Daraus entsteht der Samen (Kern) – und nur dieser enthält Erbgut von beiden Elternteilen (Mutter + Vater).
 
Warum schmeckt und sieht der Apfel dann wie die Sorte des Mutterbaums aus?

Das Fruchtfleisch, die Schale, die Form, der Geschmack und die Farbe entstehen aus dem Gewebe des Fruchtknotens des Mutterbaums.
Dieses Gewebe ist rein mütterlich – der Pollen hat darauf keinen Einfluss.

→ Deshalb ist der Apfel immer von der Sorte des Baums, an dem er wächst (des „empfangenden“ Baums).

 

Was beeinflusst der Pollenspender dann überhaupt?

Nur die Kerne (Samen).
Wenn man diese Kerne aussät, bekommt man keine Bäume der Muttersorte, sondern eine neue, unvorhersehbare Kreuzung aus beiden Sorten (deshalb vermehrt man Apfelbäume durch Veredelung/Pfropfung und nicht durch Aussaat). In der Zucht werden also keine Samen verwendet.

Allerdings eröffnet dies, dass in der Natur Äpfel mit Samen Genmaterial aus verschiedenen Elternsorten austreiben und gute Fruchtbäume werden. Die werden dann als „Zufallssämling“ gefunden und weiter gezüchtet.

 

Kurz gesagt

Teil des Apfels

Herkunft

Ergebnis

Fruchtfleisch, Schale, Geschmack

Nur vom Mutterbaum

Immer die Sorte des empfangenden Baums

Kerne (Samen)

Mutter + Vater

Neue, gemischte Genetik

Deshalb kann z. B. ein ‚Danziger Kantapfel‘ einen ‚Cox Orange‘ bestäuben – und am ‚Cox Orange‘-Baum hängen trotzdem echte Cox-Orange-Äpfel. Der Pollen sorgt nur dafür, dass die Frucht überhaupt ansetzt und die Kerne befruchtet sind.

 

Ein Zufallssämling entsteht so:

  1. Ein Apfelbaum einer bestimmten Sorte (Mutterbaum) wird von Pollen einer anderen Sorte (oder manchmal sogar einer Wildform) bestäubt.
  2. In den Kernen dieses Apfels steckt nun eine neue genetische Kombination aus beiden Eltern.
  3. Ein solcher Kern keimt irgendwo zufällig (z. B. auf einer Wiese, am Wegrand, im Garten) und wächst zu einem Baum heran.
  4. Wenn dieser Baum besonders gute Früchte trägt (Geschmack, Lagerfähigkeit, Resistenz, Ertrag usw.), wird er entdeckt und als neue Sorte ausgewählt.
  5. Ab diesem Moment vermehrt man ihn nur noch vegetativ durch Veredelung (Pfropfen, Okulieren), damit die neuen Eigenschaften stabil erhalten bleiben.

Der Baum bleibt genetisch ein Apfelbaum – er hat nur eine neue, einzigartige Kombination der Gene der beiden Elternsorten.

 

Bekannte Beispiele für Zufallssämlinge
  • Golden Delicious (entdeckt 1890 in West Virginia)
  • Granny Smith (entdeckt 1868 in Australien)
  • Braeburn (Neuseeland)
  • Elstar (gezielt gezüchtet, aber viele andere Sorten sind echte Zufallsfunde)
  • Viele alte Streuobstsorten sind ebenfalls Zufallssämlinge

 

Ohne Zufall: Wie kreuzt bzw. züchtet man Apfelsorten gezielt?

Eine gezielte Kreuzung von zwei Apfelsorten geschieht dann auch durch „bestäuben“ der ausgewählten Mutterpflanze mit dem Pollen der gewünschten Vaterpflanze. Aus den entstehenden Äpfeln werden dann aus den Kernen neue Bäum gezogen.

 

Der Ablauf im Detail:
  1. Bestäubung
    Man nimmt Pollen der gewünschten Vater-Sorte und bringt ihn gezielt auf die Blüten der Mutter-Sorte (oft werden die Blüten vorher kastriert, damit keine fremden Pollen dazukommen).
  2. Fruchtbildung
    Am Mutterbaum wachsen Äpfel. Diese Äpfel sehen und schmecken weiterhin wie die Mutter-Sorte – der Pollen beeinflusst nur die Kerne.
  3. Aussaat der Kerne
    Aus den Kernen dieser Äpfel zieht man Sämlinge (Jungbäume). Jeder Sämling ist genetisch einzigartig (eine neue Kombination aus Mutter- und Vater-Sorte).
  4. Selektion
    Die Sämlinge werden mehrere Jahre lang beobachtet. Die allermeisten sind unbrauchbar. Nur ganz wenige zeigen besonders gute Eigenschaften (Geschmack, Resistenz, Ertrag, Lagerfähigkeit usw.).
  5. Vermehrung
    Der ausgewählte Sämling wird dann durch Veredelung (Pfropfen) vermehrt, damit die neue Sorte sortenrein erhalten bleibt.

 

Unterschied zum Zufallssämling
  • Beim Zufallssämling passiert die Bestäubung unkontrolliert in der Natur.
  • Bei der gezielten Kreuzung steuert der Züchter bewusst, welche zwei Sorten miteinander gekreuzt werden.

Das ist die klassische Methode der Apfelzüchtung – so sind z. B. Sorten wie Elstar, Jonagold oder viele moderne resistenten Sorten entstanden.

Hier könnt ihr etwas über das Veredeln von Obstbäumen lernen: